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Männerriege AS:
Bildungsreise 2007 (28. April – 1. Mai)
Erstes Vorwort Zweites Vorwort Die Stadt Die Stadtführerin, als Lene Voigt verkleidet, einer sächsischen Schriftstellerin des letzten Jahrhunderts, einem echten Original, begrüsste uns auf Sächsisch, wovon wir in den ersten Sätzen ausser Leipzsch (Leipzig) kaum etwas verstanden. Ein kurzer Einführungskurs für die nachfolgende Führung durch die Stadt in Sächsisch liess die ausnahmslos höchst sprachgewandten Prattler aber praktisch alles kapieren; für einzelne Ausdrücke und Wendungen wurde die Übersetzung in Schriftdeutsch nachgeliefert. Leipzig wurde uns als Messestadt und als „Gunststadt“ (Kunststadt) charakterisiert. Das Messewesen geht noch auf das Mittelalter zurück und ist an diversen Gebäulichkeiten (Handelshöfe) in der Innenstadt noch sichtbar und gipfelt in dem neuen Messezentrum am Stadtrand (davon später). Die Stadtführerin schwärmte – zu Recht – von der Bedeutung Leipzigs als Kunststadt in den höchsten Tönen, lebten doch viele der berühmtesten deutschen Musiker und Dichter mehr oder weniger lange in der Stadt und prägten sie mit. Hier wirkte Johann Sebastian Bach über Jahrzehnte als Kantor des berühmten Thomas-Chores, leitete Felix Mendelssohn Bartholdy das Gewandhausorchester und gründete das erste deutsche Konservatorium, feierten Robert und Clara Schumann ihre grossen Erfolge und erhielt der in Leipzig geborene Richard Wagner seine erste musikalische Ausbildung. In Leipzig finden sich auch Zeugnisse vom Wirken Goethes (studierte 1765-1768 in der Stadt), Schillers (wohnte eine Zeitlang in Leipzig), Heinrich Fontanes, Lessings und vieler anderer mehr. Der Rundgang durch die City, die während des 2. Weltkrieges arge Zerstörungen erlebt hatte, führte gleich anfangs durch eine Strasse namens Brühl, wo gegenüber dem spektakulären Museum der bildenden Künste (nach Prospekt eine der berühmtesten bürgerlichen Bildersammlungen) und anschliessend an die „Blechbüchse“ (mit Blech überzogenes Warenhaus als VEB = Volkseigener Betrieb aus DDR-Zeiten) eine Wohnsiedlung für ehemalige kommunistische Parteibonzen steht. Die Häuser, Plattenbauten wie so häufig aus jener Zeit, sehen ganz passabel aus (sie dienten ja der Elite!). Sie werden aber demnächst abgebrochen; so entledigt man sich eines Stückes der jüngsten Vergangenheit! Schnell wurde im übrigen ersichtlich, dass in DDR-Zeiten zumeist nur die Vorderfassaden anständig unterhalten wurden; an Hinterhöfen und dem Gebäudeinneren nagt gehörig der Zahn der Zeit. – Der Weg führte über den Markt zum Alten Rathaus und dem Königshaus (früher Luxushotel), einem sehr schönen Ensemble, dominiert von Renaissangse (Originalton der Fremdenführerin). Durch die Mädler Passage gelangt man zum Auerbachs Keller (1525 erbaut und angeblich unter den ersten zehn der berühmtesten Restaurants weltweit (!), und Handlungsort einer ganzen Szene aus Goethes „Faust“ („Auerbachs Keller in Leipzig“). Die Herren Männerriegler hatten die Ehre, im dortigen Keller (nicht im Touristenrestaurant!) speisen zu dürfen, allwo uns der gewiefte und literarisch ausserordentlich beschlagene Kellner in die Zeit Goethes zurückversetzte, ein äusserst gelungener Abend! (Das uns ausgehändigte Zertifikat über unseren Besuch trägt den Spruch: „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, ohne auf Auerbachs Hof zu gehn, der schweige still, denn das beweist: er hat Leipzig nicht gesehn“). – Über Thomaskirche (mit der überlebensgrossen Statue Johann Sebastian Bachs – er wirkte 27 Jahre dort), Neues Rathaus (auch schon 100 Jahre alt!), Nikolaikirche gelangt man zum imponierenden Augustusplatz, flankiert vom Opernhaus (aus kommunistischer Zeit), dem Gewandhaus (Konzerthalle mit hervorragender Akustik, aus kommunistischer Zeit) und dem City Hochhaus (auch „Steiler Zahn“ genannt, etwa gleich hoch wie Basels Messeturm). Anderntags führte uns Günter, begleitet von der beeindruckend Der Nachmittag war Napoleon gewidmet. Was hat Napoleon mit Leipzig zu tun? Viel, angesichts der über 100 an den französischen Feldherrn und Kaiser erinnernden Gedenkstätten. Napoleons Truppen verloren 1813 die Völkerschlacht bei Leipzig, ehe sie 1815 bei Waterloo in Belgien vernichtend geschlagen wurden. Der „kolossale Tempel für Tod und Freiheit in Europa“ (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) erhebt sich 91 Meter hoch am Rande der Stadt. Eingeweiht wurde das scheussliche Unding 1913, 100 Jahre nach der Schlacht. Die Männerriege Pratteln AS besitzt bereits eine Einladung zu den Feierlichkeiten 100 Jahre Denkmal in 2013. Übrigens: Als Fremdenführer zum Monument kam der Kaiser persönlich. Jedenfalls trug er eine Napoleon-Unform und verteilte noch je eine Offiziersuniform an Günter, unseren Fahrer, und an Walti Suter. Hei, war der im Element in diesen Klamotten! Er versuchte uns nach dem militärischen Prinzip „kuschen, kriechen, kotzen“ über den Kasernenhof zu hetzen! Die Zahl der Dienstverweigerer war nicht unerheblich … Vom Bergbau zur Seenplatte Braunkohle wird auch heute noch im Tagebau gefördert (2005 allein in Sachsen rund 32 Mio Tonnen!), und im ganzen Gebiet der ehemaligen DDR lagern noch Braunkohlenvorräte von einer Milliarde (=1000 Mio) Tonnen! Einen gewaltigen Fortschritt hat die Wiedervereinigung hinsichtlich des Braukohlenbergbaus hingegen gebracht. Einerseits wird die Braunkohleverstromung nach modernsten Methoden heute so umweltverträglich wie möglich realisiert, und andererseits werden die nicht mehr genutzten Fördergebiete im grossen Massstab rekultiviert, d.h. die Löcher werden mit Abraummasse aufgefüllt und anschliessend geflutet: Es entstehen Seen, oft mehrere Quadratkilometer gross. Geplant sind für den Endzustand nicht weniger als 180 Seen im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR, davon 20 in der unmittelbaren Umgebung Leipzigs. Mehrere im Bau befindliche und einen bereits fertig gestellten und imponierenden See haben wir besucht. Diese völlig erneuerte Landschaft wird, teilweise schon heute, für Freizeit, Sport und als Feriengebiete genutzt. Der Bund, das Land Sachsen und viele regionale Organisationen unternehmen riesige Anstrengungen, neue Aktivitäten und neue Arbeitsplätze zu realisieren. Ein beeindruckendes Werk nach der Wende! - In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Umstrukturierung der Industrie zu sehen. Die alten Dreckschleudern sind stillgelegt (und stehen noch häufig als Industriebrache in der Landschaft), und neues Leben, d.h. umweltfreundliche Betriebe, blüht aus den Ruinen. Zeugen der früheren Trostlosigkeit können heute für Tourismus und Kultur genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist „Ferropolis“, die „Stadt aus Eisen“. Prunkstück der Anlage bildet eine Arena, welche von fünf ausgedienten Schaufelrad- und Eimerkettenbaggern, jeder bis zu 130 m lang und bis zu 30 m hoch, zusammen 7000 Tonnen schwer, flankiert wird. Wunderdinger der Mechanik! In der Arena werden Konzerte aller Art mit bis zu 25'000 Besuchern abgehalten. Fazit Und die Teilnehmer? Sie waren von den vielen Eindrücken komplett erschlagen. Sie hatten weder Musse noch Bock für Allotria oder gar Übleres. Sie waren vollauf beschäftigt mit dem gebetsmühlenhaften Verarbeiten der unzähligen Informationen und Reize ans Gehirn. Abends waren sie alle physisch erledigt und intellektuell am Anschlag. Selten ein fauler Spruch, einzig hundertprozentige Konzentration und Seriosität. Etwa das höchste der Gefühle unter der Rubrik Humor und Spass charakterisiert der Dialog Fremdenführerin / Beat Lüthy. Frage: „Habt Ihr in der Schweiz auch Bergbau“? Antwort Beat: „Nein, nur Briketts“. Ein Kompliment kam uns später von der Wirtin des Gasthofs Störmthal zu: „Was der Günter uns da gebracht hat, das war eine lustige Bande“. Woran sie wohl mehr Freude gehabt haben mag? An den nicht wenigen verkauften Schnäpsen oder am Baselbieter oder dem Prattler Lied? Laut waren die Gesänge jedenfalls allemal. Die Teilnehmer freuen sich auf die nächste Kultur- und Bildungsreise in zwei Jahren! Markus Furler |
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