|
Das Wandern ist nicht nur des Müllers, sondern auch
des Turners Lust. Dem Wandertrieb als dem durch endogene Reize
ausgelösten Antrieb zur Ortsveränderung per pedes
verfielen dieses Jahr 28 (achtundzwanzig!) AS-Männerriegler.
Die Freiberge waren dieses Jahr das Ziel – eine ausgezeichnete
Wahl!
Mit SBB und Jurabahn gings nach Les Breuleux, dem Übernachtungsort
der Tour. Eine nicht nur lehrreiche, sondern auch gemütliche
Rundwanderung hatte dort ihren Ausgangs- wie auch Endpunkt.
Diesmal gab es in Anbetracht des wenig anforderungsreichen
Terrains keine Gruppe 2 für die Blinden, Lahmen und Bequemen.
Dennoch konnten es sich einige Teilnehmer nicht verkneifen,
von überhängenden Steigungen zu reden. Memmen sind
das!
Tatsächlich sanft ansteigend, erreichten wir den höchsten
Punkt der Tour, den Col du Mont-Crosin, weder ausgekotzt noch
sonstwie lädiert. Ein kurzer Abstieg zur Auberge Vert-Bois,
wo wir das Mittagessen einnahmen, führte zum Ausgangspunkt
des Lehr- und Erlebnispfades Mont-Crosin (Windkraftwerk) zum
Mont-Soleil (Sonnenkraftwerk). 11 Posten in sehr schöner
Gegend informierten vielfältig über Natur, Geologie,
Geografie und die neuen Energien. Die Wägsten (darunter
der älteste Teilnehmer, Max Schneider, 89-jährig!)
machten noch einen Abstecher zur Solaranlage. Über Weiden
noch und noch sowie Baumgruppen und Wälder (herrlich
weiche Unterlage unter den Füssen) erreichten wir das
Hôtel de la Balance.
Der von Fritz Künzli gestiftete Apéro war gerade
der richtige Einstieg für das feine Nachtessen. Das Dorf
Les Breuleux hält keinerlei Nachtleben bereit; die hochkarätigen
Gespräche auf Nobelpreisträgerniveau, unterstützt
durch geistige Getränke, fanden im Restaurant des Hotels
statt, so dass die Wege in die „Falle“ angenehm
kurz waren.
Zweiter Tag: Wiederum eine herrliche Wanderung durch die
Wytweiden (Fachausdruck für die mosaikartige Durchmischung
von Weiden, einzelnen Bäumen und Wald) der Freiberge,
wiederum bei wunderbarstem Wetter. Unterbrochen wurde das
Tschumpeln durch das Mittagessen in Le Peu-Péquignot,
einem herrlichen Weiler inmitten von Kuh- und Pferdeweiden.
Die Rückfahrt Le Noirmont-Glovelier-Pratteln beendete
eine beeindruckende und begeisternde Riegereise.
... und ausserdem
- Die biederen und zugleich pingeligen Deutschschweizer,
für einmal ohne Absicht und ohne Hintergedanken, bringen
die Serviertochter in der Auberge Vert-Bois an den Rand
eines Nervenzusammenbruchs. Sie wollen jedes Zehnerli genau
abrechnen, was die gute Dame zum Durchdrehen bringt. Sie
ist es von den Welschen gewohnt, pro Tisch die Summe der
Konsumation zu berechnen und diese durch die Anzahl Teilnehmer
zu dividieren. Den Deutschschweizern ist diese Art Finanzausgleich
offensichtlich unbekannt oder suspekt.
- Am Wegesrand ist ein kleiner umzäunter Demonstrationsstand
aufgebaut. Man kann durch das Türchen oder über
eine Doppelleiter mit je 5 Tritten eintreten. Die Bequemen
gehen eben, die anderen über die Treppe. Dort lerne
ich, dass das Übersteigen der Treppe für einen
80 kg-Menschen wie mich einen Aufwand an Energie von 0,00022
kWh erfordert. Der schnelle Kopfrechner realisiert sogleich,
dass für eine kWh rund 4500 mal Treppen steigen erforderlich
wäre. Für 1 kWh –dies entspricht der Energie,
eine 100 Watt Glühbirne 10 Stunden lang brennen zu
lassen – müsste ich also folgende Zeiten Treppe
rauf und runter rennen: 6,25 Stunden bei 5 Sekunden-Kadenz,
8,75 Stunden bei 7 Sekunden-Kadenz, 12,5 Stunden bei 10
Sekunden-Kadenz. Unsere Strompreise sind wahrlich human!
- Ich lese weiter: Die Fotovoltaik (Stromproduktion aus
Sonnenenergie) bedingt eine material- und energieintensive
Fertigung, d.h. viel Material- und Energieverbrauch, um
Sonnenenergieanlagen herzustellen. Ist dieses Verfahren
energiepolitisch zu empfehlen?
- Markus Meyer demonstriert die Gewinnung von Ameisensäure.
Er steckt einen Grashalm in einen Ameisenhaufen, zieht den
Halm heraus, leckt ihn ab und macht „hm, fein süss“.
Entsetzte Reaktion mehrerer Kameraden: „pfui, Ameisenpisse!“
- Beat Lüthy holt am Apéro im Hôtel de
la Balance (zu deutsch: Hotel Waage) in Les Breuleux zur
staatsmännischen Rede aus. Er übergibt Aldo Pavan,
als Anerkennung für seine Mühewaltung um die Organisation
der Tour, einen Gutschein für die Wirtschaft zur Waage
… in Muttenz!
- Zum Nachtessen empfiehlt Aldo einen Pinot Noir „Les
Râbles“. Er meint, der Wein müsse schon
gut sein; es sei ja das Gegenteil von „misérable“
- Ein massenpsychologisches Phänomen: zwei Kameraden
schauen in der Abenddämmerung diskutierend und gestikulierend
zum Himmel. Immer mehr Kameraden beteiligen sich an der
Suche und Identifikation von Sternen, galaktischen Systemen,
Flugzeugen, Ballonen, Schleierwolken usw. Der Schreiber
verdrückt sich (feige), ist ihm doch die verheerende
und gefährliche Wirkung massenhypnotischen Verhaltens
bewusst.
- Zwei Schocks am Sonntag zum Mittagessen im Restaurant
Relais Equestre: Pferdefleisch und volkstümliche Musik!
Zwar könnrn wir schon am Vortag individuell ein Alternativ-Menue
bestellen. Dass das Verhältnis Pferdefleischfresser
zu Rindfleischgeniesser 24:3 lauten würde, ruft dann
schon ein mittleres Grausen hervor. Dass dann noch eine
Ländlermusik ihr Können zum Besten geben musste,
mithin jede Unterhaltung übertönend, kommt starkem
Toba gleich.
- Fritz Künzli und Hans Behounek spenden am Samstag
Abend bzw. am Sonntag Mittag je einen feinen Apéro.
Den beiden grosszügigen Mäzenen ein herzlichen
Dankeschön!
- Ein Lorbeerkranz gebührt Aldo Pavan, der Jahr für
Jahr die Riegereise organisiert und auch diesmal wieder
einen ausgezeichneten Wurf lanciert hat. Er hat eine makellose
Leistung hinsichtlich Organisation wie Reiseleitung erbracht.
Lieber Aldo, herzlichen Dank für Deinen Einsatz, für
Deine Leistung!
- Und zum Schluss noch ein gescheites Wort unseres Vereinsphilosophen
Max Schneider: „Unzufriedenheit ist der Fortschritt
der Menschheit“.
Markus Furler
|