Männerriege: Riegereise vom 29./30. August 2009 in die Freiberge

Das Wandern ist nicht nur des Müllers, sondern auch des Turners Lust. Dem Wandertrieb als dem durch endogene Reize ausgelösten Antrieb zur Ortsveränderung per pedes verfielen dieses Jahr 28 (achtundzwanzig!) AS-Männerriegler. Die Freiberge waren dieses Jahr das Ziel – eine ausgezeichnete Wahl!

Mit SBB und Jurabahn gings nach Les Breuleux, dem Übernachtungsort der Tour. Eine nicht nur lehrreiche, sondern auch gemütliche Rundwanderung hatte dort ihren Ausgangs- wie auch Endpunkt. Diesmal gab es in Anbetracht des wenig anforderungsreichen Terrains keine Gruppe 2 für die Blinden, Lahmen und Bequemen. Dennoch konnten es sich einige Teilnehmer nicht verkneifen, von überhängenden Steigungen zu reden. Memmen sind das!

Tatsächlich sanft ansteigend, erreichten wir den höchsten Punkt der Tour, den Col du Mont-Crosin, weder ausgekotzt noch sonstwie lädiert. Ein kurzer Abstieg zur Auberge Vert-Bois, wo wir das Mittagessen einnahmen, führte zum Ausgangspunkt des Lehr- und Erlebnispfades Mont-Crosin (Windkraftwerk) zum Mont-Soleil (Sonnenkraftwerk). 11 Posten in sehr schöner Gegend informierten vielfältig über Natur, Geologie, Geografie und die neuen Energien. Die Wägsten (darunter der älteste Teilnehmer, Max Schneider, 89-jährig!) machten noch einen Abstecher zur Solaranlage. Über Weiden noch und noch sowie Baumgruppen und Wälder (herrlich weiche Unterlage unter den Füssen) erreichten wir das Hôtel de la Balance.

Der von Fritz Künzli gestiftete Apéro war gerade der richtige Einstieg für das feine Nachtessen. Das Dorf Les Breuleux hält keinerlei Nachtleben bereit; die hochkarätigen Gespräche auf Nobelpreisträgerniveau, unterstützt durch geistige Getränke, fanden im Restaurant des Hotels statt, so dass die Wege in die „Falle“ angenehm kurz waren.

Zweiter Tag: Wiederum eine herrliche Wanderung durch die Wytweiden (Fachausdruck für die mosaikartige Durchmischung von Weiden, einzelnen Bäumen und Wald) der Freiberge, wiederum bei wunderbarstem Wetter. Unterbrochen wurde das Tschumpeln durch das Mittagessen in Le Peu-Péquignot, einem herrlichen Weiler inmitten von Kuh- und Pferdeweiden. Die Rückfahrt Le Noirmont-Glovelier-Pratteln beendete eine beeindruckende und begeisternde Riegereise.


... und ausserdem

  • Die biederen und zugleich pingeligen Deutschschweizer, für einmal ohne Absicht und ohne Hintergedanken, bringen die Serviertochter in der Auberge Vert-Bois an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Sie wollen jedes Zehnerli genau abrechnen, was die gute Dame zum Durchdrehen bringt. Sie ist es von den Welschen gewohnt, pro Tisch die Summe der Konsumation zu berechnen und diese durch die Anzahl Teilnehmer zu dividieren. Den Deutschschweizern ist diese Art Finanzausgleich offensichtlich unbekannt oder suspekt.
  • Am Wegesrand ist ein kleiner umzäunter Demonstrationsstand aufgebaut. Man kann durch das Türchen oder über eine Doppelleiter mit je 5 Tritten eintreten. Die Bequemen gehen eben, die anderen über die Treppe. Dort lerne ich, dass das Übersteigen der Treppe für einen 80 kg-Menschen wie mich einen Aufwand an Energie von 0,00022 kWh erfordert. Der schnelle Kopfrechner realisiert sogleich, dass für eine kWh rund 4500 mal Treppen steigen erforderlich wäre. Für 1 kWh –dies entspricht der Energie, eine 100 Watt Glühbirne 10 Stunden lang brennen zu lassen – müsste ich also folgende Zeiten Treppe rauf und runter rennen: 6,25 Stunden bei 5 Sekunden-Kadenz, 8,75 Stunden bei 7 Sekunden-Kadenz, 12,5 Stunden bei 10 Sekunden-Kadenz. Unsere Strompreise sind wahrlich human!
  • Ich lese weiter: Die Fotovoltaik (Stromproduktion aus Sonnenenergie) bedingt eine material- und energieintensive Fertigung, d.h. viel Material- und Energieverbrauch, um Sonnenenergieanlagen herzustellen. Ist dieses Verfahren energiepolitisch zu empfehlen?
  • Markus Meyer demonstriert die Gewinnung von Ameisensäure. Er steckt einen Grashalm in einen Ameisenhaufen, zieht den Halm heraus, leckt ihn ab und macht „hm, fein süss“. Entsetzte Reaktion mehrerer Kameraden: „pfui, Ameisenpisse!“
  • Beat Lüthy holt am Apéro im Hôtel de la Balance (zu deutsch: Hotel Waage) in Les Breuleux zur staatsmännischen Rede aus. Er übergibt Aldo Pavan, als Anerkennung für seine Mühewaltung um die Organisation der Tour, einen Gutschein für die Wirtschaft zur Waage … in Muttenz!
  • Zum Nachtessen empfiehlt Aldo einen Pinot Noir „Les Râbles“. Er meint, der Wein müsse schon gut sein; es sei ja das Gegenteil von „misérable“
  • Ein massenpsychologisches Phänomen: zwei Kameraden schauen in der Abenddämmerung diskutierend und gestikulierend zum Himmel. Immer mehr Kameraden beteiligen sich an der Suche und Identifikation von Sternen, galaktischen Systemen, Flugzeugen, Ballonen, Schleierwolken usw. Der Schreiber verdrückt sich (feige), ist ihm doch die verheerende und gefährliche Wirkung massenhypnotischen Verhaltens bewusst.
  • Zwei Schocks am Sonntag zum Mittagessen im Restaurant Relais Equestre: Pferdefleisch und volkstümliche Musik! Zwar könnrn wir schon am Vortag individuell ein Alternativ-Menue bestellen. Dass das Verhältnis Pferdefleischfresser zu Rindfleischgeniesser 24:3 lauten würde, ruft dann schon ein mittleres Grausen hervor. Dass dann noch eine Ländlermusik ihr Können zum Besten geben musste, mithin jede Unterhaltung übertönend, kommt starkem Toba gleich.
  • Fritz Künzli und Hans Behounek spenden am Samstag Abend bzw. am Sonntag Mittag je einen feinen Apéro. Den beiden grosszügigen Mäzenen ein herzlichen Dankeschön!
  • Ein Lorbeerkranz gebührt Aldo Pavan, der Jahr für Jahr die Riegereise organisiert und auch diesmal wieder einen ausgezeichneten Wurf lanciert hat. Er hat eine makellose Leistung hinsichtlich Organisation wie Reiseleitung erbracht. Lieber Aldo, herzlichen Dank für Deinen Einsatz, für Deine Leistung!
  • Und zum Schluss noch ein gescheites Wort unseres Vereinsphilosophen Max Schneider: „Unzufriedenheit ist der Fortschritt der Menschheit“.

 

Markus Furler

 

 
     

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